ARTIKEL 8 / 13
Vier Beiträge zur Grundlage der Musikpädagogik
1. Musikerziehung für den Menschen 
2. Individuum und Methode -fruchtbar oder furchtbar ? 
3. Das musikalische Opfer der Musikpädagogen 
4. Vorstellung - Bewegung - Klang 

Textprobe

1. Musikerziehung für den Menschen

Musik gibt es eigentlich, solange es den Menschen gibt. Aus kultischen Quellen hervorgegangen blieb sie Jahrhunderte lang einer Minderheit vorbehalten. bis das sogenannte bürgerliche Zeitalter mit ungeheurer Macht jedem einzelnen Menschen den Zugang zu allen Bildungseinrichtungen erschloss. Jedoch erst der Wohlstand der jüngeren Vergangenheit vollendete diesen Prozess der Beteiligung an der Kultur. Freizeit und Geld standen ausreichend zur Verfügung und wurden in reichlichem Maße auch der Musikausbildung zugeführt.
Dennoch, das kann man allerorten beobachten. sind die Menschen mit mehr Musik nicht glücklicher oder lebenstüchtiger geworden.
Im Gegenteil: Die musikalische Subkultur, in den 50er Jahren noch als legitimer Weg gebilligt für diejenigen, die nicht aktiv musizieren können oder wollen. beginnt allmählich ihren Einfluss. ihre Kopplung an menschlichen Fehlentwicklungen nicht mehr verbergen zu können.
Die sogenannte klassische Musik mit ihrem Betrieb. nach wie vor unbestritten in ihrem Wert. fällt zunehmend in die Hände derjenigen, die mit Musik und Kultur Geld verdienen wollen. Konzertsäle füllen müssen oder schlichtweg Freude daran empfinden, in der Kunst ein einflussreicher Mensch zu sein. Die Auswirkungen sind allerorten zu beobachten: Konzerte mit großen Stars ziehen mehr Publikum an. also werden Stars angeheuert. Die Presse muss mithelfen, die Sensation dem Publikum genügend zu verdeutlichen und es verschmerzen zu lassen, dass die Eintrittspreise eigentlich unmenschlich hoch sind.
Wenn dann Gelder der öffentlichen Hand fehlen, die für kulturelle Arbeit bestimmt waren. muss gespart werden. Wo? Z.B. an der finanziellen Förderung ortsansässiger. kulturtreibender Vereinigungen. Prinzip: alle Musikinteressierten sollen ihr Interesse vorwiegend damit befriedigen, ein williges. gut zahlendes Publikum zu bilden.
Aber wie steht es mit denjenigen, die sich bemühen. den Musikbetrieb frei von Fremdeinflüssen zu halten? Ihre Liebe zu den Werten der Musik ist unbestritten. selbst Moderne findet immer mehr Unterstützung. Doch auch hier zeigt eine Gegenüberstellung von z.B. Fragen junger Menschen mit den Themen der üblichen Fortbildungsveranstaltungen der Musikinstitutionen, dass von einem...

ISBN 3-87204-427-3 alt
ISBN 978-3-87204-427-3 neu

Molsen, Uli

Individuum und Methode


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